Der Mutterkuchen und das Abnabeln

„When I am asked, ‚Why don’t you cut babies’ umbilical cords?‘ I say, ‚Isn’t the real question: Why do you cut?'“ Ibu Robin Lim

Der Mutterkuchen entsteht genau wie das Baby aus der befruchteten Eizelle, Baby und Mutterkuchen haben den gleichen Ursprung, Produkt der Verschmelzung von Mutter und Vater.

Manche sagen Plazenta und Kind bilden eine Einheit, der Mutterkuchen ist ein Organ des Kindes wie Lunge oder das Herz. Pränatalpsychologen sprechen von der Placenta als der ersten besten Freundin im Leben. Dieses Organ ist sozusagen die Schaltstelle zwischen Mutter und Kind, versorgt das Baby, läßt es wachsen und reifen. Der Mutterkuchen sendet Signale an die Mutter, produziert schwangerschaftserhaltende Hormone und vieles mehr, was noch nicht gut erforscht ist.

Das Interesse an der Placenta ist nicht so groß wie sie es verdient hätte, weder in Fachkreisen noch bei den Eltern. In manchen Büchern zur Geburtsvorbereitung finden sich sogar Sätze ungefähr in diesem Stil: „Wenn Ihr Baby geboren ist kommt auch noch die Nachgeburt. Um die müssen sie sich nicht kümmern, das macht das Personal während Sie ihr Baby bewundern können.“

Dieses Vorgehen, das „aktive Management“ der Placenta, ist in vielen Krankenhäusern eine übliche Praxis. Die Begründung für das aktive Management der Plazentarphase ist als erstes immer der statistisch ein wenig geringere Blutverlust. Dies ist sicher wichtig bei blutarmen Frauen, die schon bei für uns geringen Mengen an Blutverlust in kreislaufgefährdende Zustände geraten. Für wohlgenährte, gesunde Europäerinnen, denen es überhaupt nichts ausmacht statt 300 ml Blut unter der Geburt etwas mehr zu verlieren, wage ich den Sinn des routinemäßigen Herausziehens der Placenta durch Hormonspritzen und das Krankenhauspersonal zu beweifeln. Statt dessen können Gebärende und Hebammen dem Mutterkuchen und seiner Geburt die gleiche Zeit und Ruhe, den gleichen Respekt geben wie der Geburt des Kindes. Dies ist ein besserer Start für alle, es kommt seltener zu Placentalösungsstörungen, und vor allem für das Baby ist es so viel einfacher das Atmen zu lernen.

Die Nabelschnur bleibt intakt, es wird unter der Geburt weder früh (nach 30 Sekunden) noch spät (nach 2-3 Minuten) abgenabelt. So kann das Kind atmen lernen bei gleichzeitiger Unterstützung durch den Mutterkuchen, der ja auch noch immer Sauerstoff und Nahrung sendet. Es ist gar nicht so selten, daß eine Nabelschnur eine halbe Stunde und länger pulsiert. Oder nach einiger Zeit sogar wieder damit anfängt!
Das Kind kann also so lange wie es das braucht durch den Mutterkuchen mit der Mutter verbunden bleiben. So kann man es der Mutter auch nicht vorzeitig wegnehmen, so eine Nabelscnur hat ja nur 50 cm Länge…
Hier werden sich viele Fragen: “ Aber muß das Baby denn nicht abgenabelt werden?“
Die erstaunliche Antwort ist: „Nein!“ Auch für mich war das Abwarten nach jahrelanger Krankenhaussozialisation erst einmal fremd, aber es gibt wirklich keinen einzigen medizinisch notwendigen Grund Mutterkuchen und Kind möglichst schnell zu trennen. Das geht sehr gut später, nach der Geburt des Mutterkuchens, oder gar nicht. Das heißt man kann auch abwarten, dass die Nabelschnur nach ca. 3-10 Tagen von alleine abfällt (siehe Lotusgeburt).

Ich mache das Abnabeln normalerweise bei der U1, der ersten Untersuchung des Kindes. Da ist das Kind schon ein bißchen angekommen in der Welt, der Mutterkuchen ist längst geboren, das Baby hat schon bei Mama das erste Mal getrunken. Wahrscheinlich ist die Geburt des Kindes vor 1-2 Stunden gewesen. Bevor es dann einschläft kommt dann noch das Messen und Wiegen und Lunge abhorchen und Finger zählen… und normalerweise wird dann auch die Nabelschnur von den Eltern durchgeschnitten.

In ihrem Buch “ Placenta – the forgotten Chakra“ schreibt die Hebamme Robin Lim, daß Kinder, die Ihre Verbindung zum Mutterkuchen noch ein paar Stunden behalten durften, schon 99% der Vorteile einer Lotusgeburt haben. Das Buch ( als ebook ) zu kaufen bedeutet übrigens auch auch Robin Lims sehr engagierte Arbeit unter den Armen Indonesiens auf Bali und in Aceh zu unterstützen, deswegen möchte Ich hiermit explizit dafür Werbung machen! Auf Bali glaubt man übrigens der Mutterkuchen sei eine Art Schutzengel, das ganze Leben hindurch.
Generell lässt sich sagen: Die Art und Weise wie ein Kind nach der Geburt im Leben ankommt, kann durch die Art und Weise des Abnabelns oder Abwartens stark beeinflusst werden. Mit diesem Artikel möchte ich dazu beitragen, daß mehr Eltern, egal ob bei einer Hausgeburt oder bei einer Klinikgeburt, sich Gedanken über den Zeitpunkt des Abnabelns Ihres Kindes machen. Und sich dafür einsetzen, daß Ihr Kind einen möglichst sanften Übergang von dem Leben im Bauch in das neue Leben hat.

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