Lotusgeburt

Was verbirgt sich hinter diesem exotischen Namen?

So nennt sich das, wenn Kind und Mutterkuchen nach der Geburt nicht getrennt werden, sondern so lange verbunden bleiben bis die Nabelschnur von alleine abfällt. Das passiert nach ungefähr 3-10 Tagen, so ähnlich wie bei den normal abgenabelten Kindern auch. Hier auf dem Foto sind Baby und Mutterkuchen 5 Tage alt, einen Tag später fiel die Nabelschnur ab. Ziel ist es unter anderem dem Kind den Trennungsschmerz der Abnabelung zu ersparen.
So eine Lotusgeburt fordert Einsatz:
Tägliches reinigen und präparieren des Mutterkuchens, z.B. mit Salz. Alle paar Stunden die Tücher um den Mutterkuchen wechseln, der suppt solange er noch nicht eingetrocknet ist und darf nicht in Plastik eingetütet werden, sonst stinkt es. Ähnlich wie das Windelwechseln beim Kind, es muß dauernd gemacht werden. Und beim Stillen muß der Mutterkuchen in seinem Stoffbeutel ja auch die Seite wechseln, genau wie das Baby. Das Handling ist also etwas umständlicher als bei einem Baby ohne Plazenta. Dafür wird das Kind nicht so viel herumgereicht, das ist  ein eindeutiger Vorteil.

Ähnlich wie bei dem Thema „Hausgeburt“ gibt es auch hier sehr ideologisch geführte Diskussionen. Davon versuche ich mich fernzuhalten. Ob Lotusbabys wirklich so viel ausgeglichener sind kann ich nicht sagen, dafür habe ich 100%ige Lotusgeburten zu selten erlebt. Ganz allgemein empfinde ich Hausgeburtsbabies als viel ausgeglichener als ihre Klinikgenossen. Kein Wunder wenn man ohne Wehenmittel, ohne Opiate und ohne forciertes Pressen zur selbst ausgesuchten Zeit zur Welt kommt. Und abgenabelt werden Kinder zu Hause fast immer spät (nach 2-3 Minuten) oder noch später. Ich mache das normalerweise bei der U1, der ersten Untersuchung des Kindes. Da ist das Kind schon ein bißchen angekommen in der Welt, der Mutterkuchen ist längst geboren, das Baby hat schon bei Mama das erste Mal getrunken. Wahrscheinlich ist die Geburt des Kindes vor 1-2 Stunden gewesen. Für die Hebamme Robin Lim ist das Abwarten von ein paar Stunden bevor man Baby und Mutterkuchen trennt schon eine 99%ige Lotusgeburt.

Mein Gefühl ist nicht immer gleich: bei manchen Kindern wirkte es fast so als ob die Abnabelung (zu diesem sehr späten Zeitpunkt über eine Stunde nach der Geburt) auch erleichternd oder entspannend war. Die frühe Abnabelung solange die Nabelschnur noch pulsiert ist für mich nicht vorstellbar, gerade wenn das Kind gestreßt ist braucht es diese Unterstützung noch dringend. Ich kann mir auch lebendig vorstellen, daß es schmerzt ohne Unterstützung durch den gewohnten Sauerstoff- und Nahrungsweg sofort ganz allein atmen zu müssen. Auch das Abwarten bis der Mutterkuchen geboren ist empfinde ich als sehr wohltuend und förderlich für einen komplikationslosen und schönen Geburtsverlauf. Aber ob das Abnabeln nach Geburt des Mutterkuchens auch streßt oder schmerzt? Hilft es generell in der Welt anzukommen, wenn die alte Begleitung noch mit einem verbunden ist und irgendwann von alleine abfällt? Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, ob das bei allen Menschen wirklich gleich ist, egal wie die Umstände sind, das würde mich eher wundern! Mehr zum Thema Mutterkuchen und Abnabeln hier.

Soweit ich weiß gibt es keine Studien zu dem Thema „Unterschiede in der Entwicklung von Kindern in Abhängigkeit zur Art der Abnabelung bei oder nach der Geburt versus Lotusgeburt“- das wäre doch mal spannend. Solange wir das nicht haben freue ich mich über experimentierfreudige Eltern. Und habe aber auch vollstes Verständnis für Alle, die über diese Methode nur lesen wollen.

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