Hanna und Raffael

Geburtsbericht Juli Elisa

Am 20. Dezember bin ich morgens aufgewacht und habe mir gedacht „Jetzt ist es bald soweit, jetzt dauert es bestimmt nicht mehr lange und es geht endlich los.“ Ob ich es wirklich geahnt habe, oder ob meine Wunschvorstellung so stark war, weiß ich nicht, aber Tatsache ist, dass es wirklich am frühen Abend des 20. Dezembers losging. Nilufar ist morgens noch bei uns gewesen und ich habe ihr meine Vermutung erzählt. Sie meinte daraufhin, dass sie dann abends lieber früh ins Bett geht, damit sie auch einigermaßen ausgeschlafen bei uns ankommt. Sie hat mir das sofort geglaubt, dabei gab es noch gar keine Anzeichen.
Da wir dachten, dass es bald losgehen wird, haben wir die Wohnung aufgeräumt und alles schön gemacht. Das Bett verschoben, sodass es leichter zugänglich war, Salzlampen platziert und viele Kerzen bereit gelegt. Wir haben uns eine kleine Muckelbude geschaffen, ganz so wie ich mir das immer vorgestellt hatte. Ich wollte auf jeden Fall eine Hausgeburt um mir eine ganz gemütliche Atmosphäre zu schaffen und keine Menschen um mich zu haben die ich nicht kenne und die zu wissen glauben was ich brauche und was nicht. Mir war die vertraute Umgebung wichtig und einfach die Tatsache, nach der Geburt im eigenen Bett liegen zu können, die Geräusche zu kennen, die mich umgeben und den Geruch der eigenen Wohnung zu riechen. Diese Dinge haben mir während der Geburt großen Halt gegeben.
Am Tag zuvor hatten Raffael und ich uns vorgenommen mal wieder schwimmen zu gehen, denn das Schwimmbad ist doch so nah. Also sind wir so um fünf Uhr am Nachmittag losgezogen und sind schwimmen gegangen. (Man kann sogar hochschwanger eine Rutsche in einem riesigen Reifen hinunter rutschen, aber das sollte man lieber niemandem erzählen, denn dann wird man für verrückt erklärt….)
Auf dem Nachhauseweg merkte ich plötzlich, dass Flüssigkeit aus mir heraus lief. Ist jetzt tatsächlich die Fruchtblase aufgegangen, oder habe ich Wasser aus dem Schwimmbad mitgebracht? Zum Glück waren wir fast Zuhause und ich musste nicht noch den ganzen Weg in nassen Hosen zurücklegen.
Die relativ schnell einsetzenden Wehen verrieten mir, dass es sich tatsächlich um die Fruchtblase handelte. Aber so ganz sicher war ich mir noch nicht, hatte ich doch gehört die ersten Wehen sind noch sehr unregelmäßig bis zu einer Viertelstunde Abstand usw. Bei mir kamen sie sehr regelmäßig (beinah alle vier Minuten), waren aber nicht besonders kräftig. Außerdem gibt es ja auch Übungswehen, die sich bei mir nicht bemerkbar gemacht haben. Ich konnte noch gemütlich etwas essen und ein Spiel spielen. Worauf ich mich natürlich nur so mäßig konzentrieren konnte (ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich verloren habe?). Ich saß die ganze Zeit über auf einem Gymnastikball und habe ein bisschen gewippt oder bin herum gelaufen und habe das tönen geübt.
Nach dem spielen, haben wir uns eine Geburtsvorbereitungszeitschrift geschnappt und haben verschiedene Geburtspositionen durchprobiert. Auch die wichtigsten Kapitel in dem Buch „Hypnobirthing“ von Marie F. Mongan haben wir noch mal durchgesehen und geschaut, was uns in den nächsten Stunden unterstützen könnte. Währenddessen wurden die Wehen stärker. (Aber nicht so stark, dass ich keine Fotos mehr von meinem Bauch machen konnte)
Ich beschloss mich ein bisschen hinzulegen und zu schlafen, was aber natürlich gar nicht klappte. Ich war viel zu kribbelig und wollte eigentlich auf gar keinen Fall auch nur eine kleine Minute dieses Ereignisses verpassen. Schließlich hatte ich mich seit neun Monaten auf diese Stunden gefreut. Ich wollte jetzt lieber baden, was, wie ich gehört hatte, sehr angenehm sein sollte. Also bin ich wieder raus aus dem Bett und rein in die Wanne. Raffael hatte mir ein wunderschönes Bad gezaubert. So badete ich ein bisschen vor mich hin. Raffael las mir Märchen aus dem neuen „Vorhang auf“ Heft vor und die Wehen wurden noch ein bisschen stärker. Schon nach relativ kurzer Zeit wollte ich wieder ins Bett. Mehrmals musste ich wieder aufstehen, um auf die Toilette zu gehen. Mein Körper wollte jetzt nicht auch noch die Nudeln verdauen und hat diesen Teil mal ganz schnell abgewickelt.
Ich hatte gar kein Zeitgefühl mehr. Mal war es zehn Uhr, dann war es plötzlich schon ein Uhr und ich habe mich abwechselnd in das Tragetuch gehängt, dass wir über unsere Deckenbalken geschlungen hatten, auf dem Ball gewiegt, war auf der Toilette oder habe mich wieder hingelegt. Die ganze Zeit über habe ich bei jeder Wehe getönt wobei Raffael mich sehr gut unterstützen konnte. Er wusste irgendwie immer was ich brauchte, ohne dass ich viel sagen musste, was später sehr angenehm war, da ich in einen tranceartigen Zustand geriet, in dem ich plötzlich nicht mehr sehr redefreudig war. Ich denke es war so zwölf oder halb eins, als ich mich endgültig dazu entschloss auf dem Bett liegen zu bleiben. Es war sehr gemütlich dort und ich konnte die Wellen, die nun immer stärker und langsam anstrengend wurden, einfach über mich rollen lassen und mich an meinem Kissen oder an Raffael festhalten, der sich zu mir gelegt hatte. Um kurz nach zwei habe ich dann zu Raffael gesagt, dass es jetzt vielleicht Zeit sei Nilufar zu rufen. Zwanzig Minuten später war sie dann da und hat mit ihrer ruhigen Art irgendwelche Untersuchungen gemacht, von denen ich aber nicht mehr sehr viel mit bekommen habe. Ab und an musste ich noch mal auf Toilette und hatte gleichzeitig unglaublich großen Durst. Gut dass wir ein Glas hatten, in das 1 ½ Liter passten. Nach den Toilettengängen habe ich mich immer wieder auf die Seite gelegt und bin dort auch erstmal liegen geblieben. Am liebsten wollte ich gar nicht mehr aufstehen. Die Wehen waren jetzt häufiger und auch anstrengend. Raffael hat sich vor mich gelegt, sodass ich ihn umschlingen konnte und er mir Halt geben konnte. Zwischen den Wehen bin ich immer wieder eingeschlafen und war bei jeder Wehe ein bisschen genervt, da ich müde war und weiter schlafen wollte. Aber das Baby wollte raus und ich wollte es ja auch so gerne endlich anschauen und in den Armen haben können.
Plötzlich sollte ich mich aufsetzen, damit das Baby weiter rutschen konnte. Es hat ein bisschen gedauert, bis die Worte bei mir ankamen und so ganz überzeugt war ich auch nicht diese gemütliche Position aufzugeben, konnte mich aber dann doch dazu überwinden. Der tranceartige Zustand löste sich langsam auf und ich war wieder im Hier und Jetzt. Komisch, ich hatte das Gefühl eine Höhle verlassen zu haben und nun musste ich wieder aktiv werden. Ich konnte mich nicht mehr ausruhen. Also habe ich mich auf die Matten gehockt, die wir auf dem Boden ausgelegt haben und Raffael hat sich vor mich auf den Ball gesetzt. So konnte ich meinen Kopf auf seinen Schoß betten und seinen Bauch mit meinen Armen umschlingen. Auch jetzt hatte ich immer mal wieder Durst.
Nilufar hockte hinter mir und hat mir Kaffeekompressen an den Damm gehalten und mir von hinten Halt gegeben. Plötzlich konnte sie das Köpfchen sehen und ich durfte unserem Kind zum ersten Mal über den Kopf streichen, auch wenn es nur ein ganz kleiner Teil war, aber immerhin, da war unser Kind. Ich spürte mehr und mehr den Drang zu pressen, hatte aber auch gleichzeitig das Gefühl, jetzt nicht zu stark mithelfen zu dürfen. Zum ersten Mal hatte ich ein wenig Angst, der Kopf könnte mich zerreißen. Also habe ich die Presswehen schön weggeatmet. Nilufar empfahl mir, mich auf den Geburtshocker zu setzten. Raffael setzte sich hinter mich und hielt mich von hinten. Ich wartete noch ein paar Wehen ab atmete den Pressdrang weg, doch irgendwann war es soweit und ich wollte nicht länger warten. Ich hatte auch das Gefühl, dass alles weit genug gedehnt war und jetzt nichts mehr reißen konnte Plötzlich war der Kopf da. Ich war total aufgeregt und konnte gar nicht erwarten, dass die nächste Wehe kommt und den Rest mitbringt. Die ganze Zeit habe ich mir ein wenig längere Pausen zwischen den Wehen gewünscht und nun konnte ich die nächste nicht mehr erwarten. Dann war es soweit. Ein kleines Bündel kam heraus geflutscht und Nilufar musste es erstmal von der Nabelschnur befreien, bevor ich es endlich in den Arm nehmen konnte. Was für ein Gefühl, wir sind plötzlich Eltern. Ich spürte nasse Tropfen auf meiner Schulter. Freudentränen von Raffael. Habe ich richtig gesehen, ist es ein Mädchen? Ja, da ist sie also unsere Juli Elisa. Geboren am 21.12.2012 um 4:55.

Ich konnte immer nur sagen: „Oh wie niedlich. Guck doch mal wie süß.“
Vielen, vielen Dank liebe Nilufar. Es war ein Geschenk Juli bei uns Zuhause begrüßen und eine so schöne Zeit erleben zu dürfen.

Herzliche Grüße von Hanna und Raffael mit Juli.

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