Geburtshilfe in Deutschland

„Wir können die Probleme nicht mit den Denkmustern lösen, die zu Ihnen geführt haben.“  Albert Einstein

Wir haben in Deutschland eine Kaiserschnittrate von über 30% erreicht, Tendenz steigend… laut WHO müssten 10-15% ausreichen. Das ist aber erst der Anfang: fast alle Frauen (über 95%!!!) die zur Geburt in eine Klinik gehen erfahren irgendeine Art von Intervention, obwohl sich die meisten eine natürliche Geburt wünschen. Selten auch bleibt das Kind nach der Geburt ungestört bei seiner Mutter, Stillstörungen und Wochenbettdepressionen sind keine Seltenheit mehr.
Vor fast 20 Jahren hat die WHO Ihre Empfehlungen zur Begleitung der normalen Geburt veröffentlicht, von der deutschen (klinischen)Geburtshilfe immer noch nicht beachtet, geschweige denn umgesetzt. Stattdessen werden über 80% der Schwangeren als Risikoschwangere eingestuft, Risikoerkennung ist zur Zeit wichtiger als Prävention. Geduld und Vertrauen fehlen. An Kaiserschnitten verdient man ca. 10 mal so viel Geld wie an normalen Geburt, an Risikoschwangere mehr als an normalen Schwangeren. Ist es dann ein Wunder, daß immer mehr Frauen hierzulande ohne Vertrauen in sich selbst und Ihr Kind in die Geburt gehen?

Zusätzlich dazu wird jetzt auch noch den wirklich guten Alternativen dazu, den Hausgeburtshebammen und Geburtshäusern, der Hahn abgedreht: Hat man vor 20 Jahren noch mit einer Geburt seine Berufshaftpflichtversicherung zahlen können braucht es heute dazu das Achtfache. Das führt dazu, dass immer weniger Hebammen überhaupt Geburtshilfe anbieten können. Ganze Landkreise sind jetzt schon ohne geburtshilfliche Versorgung, klinisch wie außerklinisch! Die freie Wahl des Geburtsortes ist existentiell wichtig für Schwangere und deren Partner. Und nicht mehr vorhanden.

Es braucht Größe sich einzugestehen, dass der eingeschlagene Pfad der falsche ist. Aber anders läßt sich der momentane Teufelskreis nicht durchbrechen. Dazu fehlt momentan noch die Einsicht, in der Politik wie bei den Krankenkassen, die sind an anderen Baustellen in Feuerwehrmanier aktiv. Dabei würden hebammenstärkende Maßnahmen sogar Kosten massiv senken. Aber so wie die Politik ist auch unser medizinisches System: sehr aktiv in Notfällen, leider noch schlecht geeignet für präventive und nachhaltige Arbeit. Wie wichtig es für uns alle ist wie wir mit Schwangeren und Kindern umgehen ist noch nicht angekommen.

Wer mithelfen möchte dieses langsame Sterben zu ändern und vielleicht sogar eine Umkehr zu bewirken wird viele gute Vorschläge zum Beispiel bei den “ Hebammen für Deutschland“ oder „Greenbirth“ finden. Nur durch aktives Mithelfen einer wirklich großen Gruppe läßt sich ein Umschwenken in der Geburtshilfe bewirken. Wer keine Zeit hat sich einzusetzen (z.B. weil man gerade Mutter oder Vater geworden ist :-)) kann zum Beispiel Fördermitglied in solchen Vereinen werden.

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