Daniela und Mike-Geduld zahlt sich aus

Wie ich auf die „irre“ Idee kam mein Baby zu Hause zu bekommen.

2009 wurde mein Sohn Ben per unnötigen Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Nach anfänglichen Stillschwierigkeiten entwickelte sich unsere Stillbeziehung ganz wundervoll. Nachdem Ben dann auch jeden Brei ablehnte stillte ich weiter voll. Klar gabs Fingerfood aber er sah das Essen nicht als Nahrung an.
Und eben aus dem Grund das ich „so lange“ stillte suchte ich mir eine Stillgruppe für Mütter mit Kindern ab 9 Monaten(Regine Gresens).
Regine half mir auch mit dem KS klar zu kommen, dann ich hatte wirklich sehr damit zu kämpfen. Ich fühlte mich ausgeschlossen wenn Mütter vom Kinderkriegen sprachen, ich fühlte mich als Versagerin, nicht fähig ein Kind zu gebären…. 
Regine half mir den KS als Erlebniss anzunehemen und Frieden zu schließen.

In der Stillgruppe lernte ich eine Menge toller Frauen kennen, die teilweise ihre Kinder zu Hause bekommen hatten. Ich war fasziniert….

Ich traf ich dort auch eine Mutter die nach einem KS eine normale Geburt zu Hause erlebt hatte . Meine Hoffnung auf eine normale Geburt keimte auf…

Im Mai 2011 empfing ich dann Henri…

Ich suchte mir einen jungen, dynamischen Gynäkologen. Er war weder von der Tatsache das ich noch stillte und schwanger war entsetzt noch wollte er mir zum Abstillen raten.

In der Stillgruppe bekam ich einige Tipps zu Hausgeburten(Internetseiten und Bücher)und Hausgeburtshebammen…

Ich fing an zu suchen…

Im August entschied ich mich für Gabriele und Nilufar.

Die ersten 20 Wochen war ich noch bei Dr. Wagner zur VU und ließ die beiden US(12. und 20. SSW)von ihm machen. 
Ich hatte einen kerngesunden, kleinen Jungen im Bauch. Aus seiner Sicht sprach auch nix dagegen bei einer gesunden Schwangerschaft das Baby zu Hause zu bekommen und er wünschte uns beim letzten Termin viel Spaß und Erfolg bei der Hausgeburt! Er hielt es nicht für sinnvoll sich große Gedanken um die KS-Narbe zu machen. 
Meinen Mann hatte ich auch recht schnell davon überzeugen können dass es eine gute Idee ist.  Er vertraut mir und wußte dass ich keine verantwortunslosen Dinge tue.

Wir erzählten kaum jemandem davon, da wir ahnten, dass wir mit viel Kritik zu rechnet hatten. Im Grunde geht das auch keinen was an. Wir wußten was wir da tun wollen und das reicht!

Ich lernte erst Gabriele kennen und dann Nilufar. Sie wechselten sich bei den VU ab.

Ich baute im Laufe der Monate zu Gabriele und Nilufar eine enge und vertraute Beziehung auf, wobei es am Anfang mal kurz danach aussah als würden Nilufar und ich nicht so ganz harmonieren…
Aber wir passten, je mehr ich mich ihr anvertraute desto einfacher wurde alles für mich – ich hatte mich schon seit Jahren nicht  mehr so geöffnet und jemanden in mein Leben blicken lassen!

Es ist wichtig das man vertraut!

Geburtsbericht

Ich habe bereits am 3.3. (Samstag) angefangen Wehen zu bekommen, die aber nicht regelmässig waren. Hier find also meine Geduldsprobe an.

Wie so oft in meinem Leben halte ich die Geduldskarte fest in der Hand und wußte dass es eine meiner Aufgaben sein wird geduldig zu sein… Aber ich war bereit-ich kann warten! Am Dienstag waren sie dann allerdings schon sehr kräftig und auch regelmässiger(mal alle 20-30 Minuten – aber auch mal 2 Std nix). Nilufar hat bei der Untersuchung einen butterweichen Muttermund festgestellt aber das Baby war noch vom Becken abschiebbar.

Es wir noch dauern. Ich warte geduldig. Abends war ich noch beim Osteopathen und hab eine tolle Behandlung erhalten. Durch den großen Bauch (BU 135 cm) war ich ganz verkrampft im unteren Bauchbereich. Nach der Sitzung gings mit toll! Bin sogar aus dem 3. Stock über die Treppe zu Fuß runter gegangen…

Mittwochmorgen bin ich dann mit sehr kräftigen Wehen aufgewach und bat meinen Mann Mike zu Hause zu bleiben da ich mich nicht um Ben kümmern konnte.

Das klappte und so wehte ich den Tag vor mich hin – konnte sogar mittags noch mal 1 1/2 Std schlafen – klar mit Wehenunterbrechungen aber ich war recht gut erholt. 
Allerdings  hatte ich nachmittags Schmerzen bei den Wehen, die ich als „Narbenschmerzen“interpretierte und mir Angst machten weil es ein Schmerz war den ich nicht als Wehenschmerz erkannte.
Ich rief Nilufar an und sie kam mit Josefine(Hebammenschülerin im Praktikum) vorbei.
Sie probierte einiges um die Schmerzen zu beseitigen, was auch teilweise gelang. Meine „Angst“ war jedenfalls wie weggeblasen.

Sie fuhren dann erstmal aber wieder Heim – die Wehen hatten noch zu viel Abstand.

Ich legte mich gegen 0 Uhr abends hin und wollte noch etwas schlafen… was aber nicht ging, ich döste und wehte…. atmete und wehte…gegen halb zwei hab ich Mike geholt, er solle mal die Abstände checken…

3 Minuten…

Gegen 3 waren es dann nur noch 1 1/2 Minuten bei den kurzen Wehen und bei den Langen 2 Minuten.. von den „Narbenschmerzen“ keine Spur mehr. Das hatte ich irgendwie schon wieder vergessen.

3:20 Uhr hab ich dann Nilufar angerufen… 
4 Uhr war sie da – mit Sack und Pack… und Josefine kam auch einige Zeit später an.

Nilufar leitete Mike an das Schlafzimmer Geburtsfertig zumachen da ich mich plötzlich dort sehr sicher und gut aufgehoben fühlte. Dabei hatte ich mir vorher das Wohnzimmer als den Gebrustraum ausgesucht..
Das Bett wurde erst mit einer Plane und dann wieder mit Laken abgedeckt. Wir hatte viel Kissen, ganz große, mittlere und kleine da, die alle zum Einsatz kamen um es mir gemütlich zu machen.
Unser Sohn Ben(2 1/4 J) schlief derweilen seelig im Kinderzimmer und bekam nix mit.

Es ging etwas schleppend voran. Ich kam in den einzelnen Wehenphasen, mit bewußter Atmung und der tollen Unterstützung von Nilufar, Mike und Josefine, gut zurecht aber die Übergangsphasen von einem Wehenlevel ins nächste machten mir echt zu schaffen. Ich stand mir doch etwas im Weg -irgendwo steckte ein Fünkchen Angst oder Zweifel in mir.. Das war mir da aber nicht bewußt.

Zudem wollte das Köpfchen sich einfach nicht ins Becken drehen – es hatte sich auch noch eine große und eine kleine Muttermundslippe zwischen Kopf und Becken geblidet, die sich nicht abschieben ließ.

Also hat Nilufar mich angeleitet und ich hab „Turnübungen“ gemacht um das Ganze zu unterstützen…

– Zwischen den Wehen, erst ein Bein angewinkelt seitlich hoch, dann wie ne Ballerina in die Knie mit gespreizten Beinen und dann das andere Bein hoch…

– Viefüßlerstand – Po höher als der Kopf und Nilufar hat mich von hinten rythmisch geschüttelt während den Wehen (AUA und verdammt anstrengend für die arme Nilufar)

– linke Seitenlage mit gestreckten unterem Bein und anderem angewinkelten Bein.. hinter mir saß die Josefine oder Mike und hat mich gestützt. Richtig fies weil man in der Wehen nix tun kann.

Zwischen 8 und 9 Uhr platze bei einer Untersuchung auf dem Gebärhocker endlich die richtig volle Fruchtblase. Meine Güte war das viel…. und tat das soooo gut! Der Bauch war gleich um einiges angenehmer.

Ben wachte auf und wir beschlossen ihn zur Nachbarin Sabrina zu bringen, da ich Mike doch sehr brauchte. 

Danach gings dann etwas zügiger voran und die kleine Lippe am Muttermund hatte sich verzogen, die große war nun klein aber immer noch da. Also weiter turnen und wehen und meckern und zetern und atmen mit lockeren Lippen(wie nen Pferd) … Hab dann zwischen durch mal etwas Zweifel an mir gehabt, hab bissl geweint und mich etwas gehen lassen.. Ich klammerte mich in den Wehen an Nilufar und sie stand wie ein Baum und hielt mich.. In Nilufar im Arm gings mir dann schnell wieder besser.

.. Zweifel sind nicht gut!

Also wieder laute Mantras vor mich hin gesagt…. „den Schmerz annehmen“, „mit jede Wehe komm ich ein Schritt näher ans Baby“, ….

Einmal hab ich mir gesagt „ich muß den Schmerz zulassen…“ und dann nur noch das Wort „zulassen“…

Mußte dann etwas lachen weils so wiedersprüchlich ist wenn man etwas „zu-lassen“ will… man kann ja auch ne Tür auf machen oder sie „zu lassen“… Als ich dann zu Nilufar sagte, dass das eigentlich voll doof ist… also das Wort „zulassen“ als Mantra zu nehmen, mußte sie auch lachen. Ein Babybild von Ben stand die ganze Zeit im Regal vor mir und half mir auch dabei Schritt für Schritt zu meinen zweiten Baby zu kommen… Gegen 13 Uhr(oder so?) hat Mike auf Ansage von Nilufar den Pool angefangen aufzubauen. Ich hab weiter geweht und war zwischenzeitlich echt völlig müde und konnte nicht mehr stehen. Hab dann wieder Traubenzucker, ne Calciumbombe und viel Wasser bekommen. Rescuetropfen waren auch im Einsatz. Dann gings mir wieder besser..

Mir dauerte das Aufbauen des Pools irgendwie zu lange, da ich in der Seitenlagerung „festhing“ – habe dann sogar versucht mit Nilufar zu verhandeln wann ich in den Pool kann. Sie sagte 4 Wehen noch.. und ich „ne 3“!

Es wurde dann wohl doch noch ein paar mehr..
Also hab ich weiter geweht was das Zeug hält. Teilweise wurde da der Bauch schon so hart dass es zum Pressen gedrängelt hat. Ich durfte aber noch nicht… die olle Lippe war ja immer noch da.
Abwechselnd hielten Mike, Josefine und Nilufar meine Hand.. diese Hände haben mir immer Kraft gegeben..  Das Alleine sein war schwierig und da wurde mir dann auch bewußt, dass ich Angst hatte wenn ich alleine durch die Wehe mußte.

In der Seitenlage war es wirklich sehr hart für mich, mich nicht bewegen zu können in den Wehen…
Aber dann ging es endlich in den Pool… Irgenwas in mir schrie förmlich  nach Wasser aber das wurde mir erst bewußt als ich davor stand und mich einfach nur reinwerfen wollte.

Als ich endlich im Pool war (gegen 14 Uhr ?), konne ich wirklich super entspannen.

Ich fühlte mich richtig und echt gut. In jede Wehe wurde mir bewußter, dass ich gleich mein Kind bekommen werde. Ich lag in Rücklage und das Wasser tat seine Wirkung.
Nach einer Weile hielt Mike mich über Wasser. Er gab mir durch seine haltenden Hände wahnsinnig viel Kraft. Es fühlte sich an wie ein Energiestoß, den ich für die letzte Wehenphase brauchte.
 Ich lag und schwenkte mein Becken hin und her. Nach jeder Wehe sagt ich laut, dass sich der Bauch entspannen soll.. redete viel mit mir, nahm nicht mehr viel um mich rum wahr… Nilufar untersuchte mich im Pool – der Muttermund war plötzlich ganz auf, Lippe weg und sie sagte, dass ich jetzt mitpressen könne wenn ich das Verlangen hab. Und ich tat es. Ich drehte mich in die Seitenlage.

Es war der einfachste Teil der Geburt für mich aber wohl auch der Lauteste. Ich fühlte das Köpfchen im Becken, schon nah am Scheidenausgang, merkte bei Ende der Wehe wie der Kopf wieder zurück rutschte und wartete voller Sehnsucht auf die nächste Wehe und endlich mein Baby zu gebären. Meine Güte kann ich brüllen, schoß es mir durch den Kopf – dabei hatte ich noch gesagt, dass ich meine, dass ich ganz ruhig werde wenn ich starke Schmerzen hab.  Haha, wie man sich doch irren kann.. Dann gabs eine Wehe wo der Kopf vorne blieb und ich ihn anfassen konnte… Das war der größte Ansporn. Jetzt wollte ich einfach nur noch mein Baby aus mir rauspressen. Jeder Schmerz, jeder Zweifel, alle Angst, die ich vorher durchlebt hatte, alles war weg..

Ich wollte mein Baby haben – und zwar JETZT – genug Geduld bewiesen!

Vor der nächsten Weheh drehte ich mich von der Seitenlage in den Vierfüßlerstand – Mike hielt mich.
Schnell wurde noch mein Tragetuch am vorbereiteten Haken befestigt und ich konnte mich hervorragend daran festkrallen. Dann kam die nächste Wehe ich stellte noch ein Bein auf wie Nilufar mir sagte und presste, noch gewaltigere Töne gab ich von mir.. Nach einigen Wehen wurde der Kopf geboren und ich streichelte ihn. Ich presste wieder und sollte gleichzeitig den Kopf vom Baby zurück drücken.
Das gelang mir leider nicht. Ich tauschte das aufgestellte Bein mit dem anderen nach Ansage von Nilufar und auch Mike und Nilufar tauschten den Platz. Nun saß Mike hinter mir am Poolrand und Nilufar beugte sich vor mich ins Wasser. Dann kam die nächste Wehe, die ich kaum abwarten konnte – ich presste, sie drückte das Köpfchen zurück. 
Er blieb drin.
Ich konnte die nächste Wehe kaum noch abwarten. 
Wo ich die letzten Stunden um eine Wehenpause gebeten hatte, sehnte ich mich nun nach der einen letzten Wehe..
Dann kam sie!
Ich presste und brüllte, Nilufar drückte.
Dann merkte ich wie mein Baby aus mir raussprudelte.

Ich sank auf die Knie und schaute ins Wasser. Ich blicke meinem Bayb direkt ins Gesicht – er blinzelte – ich sagt zu Mike: „Er guck mich an, Mike, guck mal…“ und dann nahm ich ihn unter den Armen und hob ihn hoch, drückte ihn an mich.  Hui, war der schwer….

Henri Luis wurde am 8.3. um 15:11 Uhr bei schönstem Frühlingssonnenschein in unserem Wohnzimmer im Pool geboren. Ich setzte mich zurück, Mike hinter mir und wir bestaunten unser Baby. Die Nilufar und Josefine verließen uns und wir genossen unser Baby. Nach einer Weile, die beiden hatten das Bett vorbereitet, holten sie mich und das Baby aus dem P

ool. Das Baby war ja noch an der Nabelschur mit mir verbunden, was ein wirklich tolles Gefühl war. Dann wurden wir ins Schlafzimmer geleitet und ins Bett gelegt. Mike neben mir. Henri zeigte Sauganzeichen und ich hielt in vor die Brustwarze. Noch war er zu hibbelig um sie zu packen… Nach einer Weile merkte ich wie die Plazenta geboren werden wollte. Ein Teil der Fruchtblase war schon ausgereten und nun sollte ich noch mal pressen. Im Liegen gelang es mir nicht also wurde ich, sammt Baby auf dem Arm, noch mal in die Hocke mit einem aufgestelltem Bein gehieft. Beim 3. Mal pressen wurde dann um 16:11 Uhr die Platzenta geboren. Genau 1 Std nach meinem Baby. Dann legte ich mich zurück, die Nabelschnur hatte auspulsiert und Henri tat was ein Baby tut, er saugte an meiner Brust, fest und kräftig..

Henri Luis war 53 cm groß, wog 4400 g und hatte einen Kopfumfang von 35 cm….

Vielen Dank, liebe Nilufar, für deine Fähigkeiten, deine Kraft, deinen Mut den Weg mit mir zu gehen und die Zuversicht, dass auch ich es schaffen kann!

Mit dir und durch dich, habe ich mir meinen absoluten Herzenwusch erfüllt! Eine Frau ist zum Kinderkriegen gemacht – das weiß nun auch ich!

Daniela, mit Henri am Busen, Ben im Arm und Mike an der Seite!

 

 

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